{"id":100,"date":"2008-08-13T23:59:05","date_gmt":"2008-08-13T22:59:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.martindreier.de\/?p=100"},"modified":"2008-08-13T23:59:05","modified_gmt":"2008-08-13T22:59:05","slug":"die-grose-uberfahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.dreier.cloud\/?p=100","title":{"rendered":"Die gro\u00dfe \u00dcberfahrt"},"content":{"rendered":"<p>Mitten auf der Ostsee ist der WLAN-Empfang doch eher schlecht, daher gibt es die vier Tage Ostsee-T\u00f6rn in einem gro\u00dfen Eintrag.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>Samstag, 09.08.2008<\/strong><br \/>\nHeute sollte es von G\u00f6teborg nach Marstrand gehen, damit morgen zeitig losgesegelt werden konnte. Also packte ich meine Sachen und checkte nach einem ausgiebigen Fr\u00fchst\u00fcck erstmal aus dem Hotel aus. Nachdem ich kurz meine Ankunftszeit mit den anderen Seglern abgekl\u00e4rt hatte nutzte ich meine letzten Stunden in G\u00f6teborg, um mir noch den &#8222;Slottsskogs&#8220;-Park anzusehen. Trotz einiger Umwege auf Grund des dort gerade Statt findenden &#8222;Way out West&#8220;-Festivals eine sehr lohnenswerte Idee. Im Park gibt es einige Gehege mit schwedischen Tieren, z.B. Gotland-Ponys, Rentiere (meiner Meinung nach ziemlich h\u00e4ssliche Tiere) und einiges mehr. Dann ging es zu den &#8222;Nils Ericsson Terminalen&#8220;, dem zentralen Fernbusbahnhof G\u00f6teborgs, wo ich den Bus gen Marstrand nahm.<\/p>\n<p>Dort angekommen lernte ich erstmal das Schiff, die &#8222;Silva Hispaniola&#8220;, sowie meine Mitsegler kennen. Die Hispaniola hatte in Marstrand an den Europameisterschaften Teil genommen, und vom Regattateam w\u00fcrden Dennis (unser Skipper), Olli, Jonas und Martin (also nicht ich) mitsegeln. Au\u00dferdem kam sp\u00e4ter noch Jeanine dazu, eine weitere nicht-Regatta-Seglerin, die ebenfalls mitsegeln w\u00fcrde. Mit mir waren wir also eine Crew von sechs Leuten. Nach allgemeinem Vorstellen wurde dann erstmal das Schiff f\u00fcr die \u00dcberfahrt vorbrereitet, also die Regattasegel von Bord und die Fahrtensegel an Bord geholt, die Ausr\u00fcstung an BBord genommen usw. Dann machte sich der Rest der Regattacrew mit dem Ausr\u00fcstungsanh\u00e4nfer auf die Heimreise per Auto, w\u00e4hrend wir noch etwas zu Abend a\u00dfen und anschlie\u00dfend das Schiff zur \u00dcbernachtung in den Hafen verholten.<\/p>\n<p>Ach ja, noch ein paar Worte \u00fcber&#8217;s Schiff. Die &#8222;Silva Hispaniola&#8220; ist eta 13 Meter lang, hat knapp 20 Meter Mast und einiges an Segelfl\u00e4che anzubieten. Sie ist als Cruising Racer ausgelegt. Sie ist also kein reines Regattaschiff, sonder hat auch einige wenige Annehmlichkeiten (<del datetime=\"2009-12-11T15:06:32+00:00\">Betten<\/del> Kojen, <del datetime=\"2009-12-11T15:06:32+00:00\">Komb\u00fcse<\/del> Gaskocher, <del datetime=\"2009-12-11T15:06:32+00:00\">Tisch<\/del> Brett an der Wand) f\u00fcr Fahrten zu bieten. Es gibt zwei Schlafm\u00f6glichkeiten, zwei Matrazen vorne (da, wo es am meisten wackelt), zwei Rohrkojen im &#8222;Salon&#8220; und zwei Matrazen hinten (direkt neben der Maschine, da kann man bei laufendem Motor <del datetime=\"2008-08-17T20:57:31+00:00\">wunderbar<\/del> schlafen ;)). Au\u00dferdem hatten wir eine gute Auswahl an Segeln dabei (drei Focks, einen Spinnaker, ein Gro\u00dfsegel, dazu noch Sturmfock und Sturmgro\u00df).<\/p>\n<p><strong>Sonntag, 10.08.2008<\/strong><br \/>\nAm n\u00e4chsten Morgen kauften wir noch Proviant f\u00fcr die \u00dcberfahrt ein, und dann ging es los. Unser Ziel war eigentlich die Insel Anholt, mitten in der Ostsee, aber leider machte uns das Wetter einen Strich dorch die Rechnung. Um die 20 Knoten Wind und bis zu 2 Meter hohe Wellen sch\u00fcttelten und ordentlich durch, und wir kamen nur sehr langsam voran. Je weiter wir westw\u00e4rts kamen, desto einfacher machte es uns der zunehmende Schutz der d\u00e4nischen K\u00fcste, aber erst sp\u00e4t am Abend, kurz vor Sonnenuntergang wurde das Wetter endlich besser. Unter einem wundersch\u00f6nen Sonnenuntergang liefen wir also in einen Hafen der d\u00e4nischen Insel Les\u00f8 ein.<\/p>\n<p>Unterwegs hatten wir noch ein kleines Problem gefunden: Da wir die nassen Segel nicht in der Kaj\u00fcte aufbewahren wollten, hatten wir sie auf dem Vorschiff festgelascht. Leider schien es ihnen da nicht zu gefallen (vielleicht weil da jede Welle dr\u00fcbergeschwappt ist?) und sie hingen immer wieder ins Wasser. Und irgendjemand musste nach vorne klettern und sie wieder festbinden, was nicht gerade Spa\u00df macht (es ist nass, es schwankt und man kann sich sehr schlecht festhalten). Leider hatten wir nicht gerade irgendwelche Alternativen, so dass wir die Reise \u00fcber keine ander L\u00f6sung finden konnten :(.<\/p>\n<p><strong>Montag, 11.08.2008<\/strong><br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag hatte sich das Wetter wieder ein wenig verschlechtert, aber wenigstens hatten wir jetzt ein wenig Schutz durch das d\u00e4nische Festland. Dummerweise hatte der Wind kein Einsehen mit uns und blies recht kr\u00e4ftig aus S\u00fcdost, also genau aus Fahrtrichtung. Und das ist bei Segelschiffen nun mal ganz schlecht.<\/p>\n<p>Durch den ung\u00fcnstigen Wind und die Tatsache, dass wir erst einmal eine umfangreiche Untiefe vor Les\u00f8 umfahren mussten (2,30 m Tiefgang haben halt ihren Preis) kamen wir auch heute nicht so schnell voran wie geplant. Erst kurz nach Mitternacht liefen wir im Hafen von Grenaa ein, was also auch meine erste Nachtfahrt abschloss. Irgendwie ist das mit dem Auto deutlich einfacher&#8230;k\u00f6nnte daran liegen, dass auf dem Wasser so wenige Schilder rumstehen :). Zum Schluss hatte der Wind auf unter 10 Knoten abgeflaut, so dass wir zum Schluss nur so dahinzuckelten. Gerade dann, als wir endlich in den Hafen und unter eine -hei\u00dfe- lauwarme Dusche kommen wollten.<\/p>\n<p><strong>Dienstag &#038; Mittwoch, 12. &#8211; 13.08.2008<\/strong><br \/>\nDie Wetternachrichten brachten und am Dienstagmorgen schlechte Nachrichten: Es sollte am Mittwoch und Donnerstag so *richtig* schlechtes Wetter geben. Also entschieden wir uns, die letzte Strecke bis Gl\u00fccksburg ohne Pause zu \u00fcberbr\u00fccken. Also kauften wir nochmal Proviant ein und setzten dann die Segel. Der Wind hatte immer noch kein Einsehen mit uns und blies aus ung\u00fcnstiger Richtung, aber immerhin nicht direkt von vorn. Zumindest meistens nicht&#8230; Immerhin konnten wir ein kurzes St\u00fcck, gerade mal eine knappe halbe Stunde, unseren Spinnaker (wenigstens hatten wir den nicht umsonst mitgenommen) setzen als wir mit dann 9 Knoten vor dem Wind dahinbrausten. Auch am Wind schafften wir meistens immerhin so um die 8 Knoten, also gar nicht mal so schlecht. <\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich konnten wir die ganze Strecke nicht an einem Tag schaffen. Das bedeutet also: auf See schlafen. Zum Gl\u00fcck erreichten wir nachts, etwa gegen 11 Uhr, den kleinen Belt zwischen Fyn und dem d\u00e4nischen Festland. Unter Schutz von Land hatte der Wellengang stark nachgelassen und da wir auf Grund der Enge nur unter Motor fahren w\u00fcrden war auch keine Schr\u00e4glage zu sp\u00fcren. Also krochen die meisten (au\u00dfer der &#8222;Nachtwache&#8220;) in ihre Schlafs\u00e4cke und genossen ein paar Stunden Schlaf &#8211; so auch ich.<\/p>\n<p>Ein paar Stunden Schlaf stellte sich in meinem Fall als \u00fcber f\u00fcnf Stunden heraus, also gar nicht mal so schlecht. Diejenigen, die im Vorschiff schlufen, hatten deutlich weniger Gl\u00fcck. Inzwischen hatten wir den kleinen Belt verlassen und befanden uns wieder auf See. Noch fuhren wir zwar nur unter Motor, aber auf Grund der kurzen, steilen Grundsee wurde man im Vorschiff gr\u00fcndlich durchgesch\u00fcttelt, so etwa wie man sich in einem Basketball f\u00fchlen w\u00fcrde&#8230; Um dem Boot ein wenig mehr Widerstand gegen die Wellen zu verleihen setzten wir mit der Morgend\u00e4mmerung unsere Sturmfock und schalteten den Motor aus, was die Bewegungen sofort leichter zu ertragen machte.<\/p>\n<p>Mit Wind genau von vorn kreuzten wir am Vormittag dann den Alsfjord nach S\u00f8nderborg hinauf. Dennis und Jonas riefen regattaw\u00fcrdige Kommandos \u00fcber&#8217;s Deck, und binnen kurzem erreichten wir S\u00f8nderborg. Dort machten wir einen kurzen Zwischenstopp um Diesel zu bunkern, denn das Anfahren gegen die Wellen in der Nacht hatte mehr verbraucht als erwartet. Selbst mit voller Kraft schaffte die Hispaniola gerade mal vier Knoten Fahr \u00fcber Grund, also weniger als die H\u00e4lfte des M\u00f6glichen. Wenig \u00fcberraschend wurden die beinden Martins daf\u00fcr ausgesucht, den Kraftstoff von der Tankstelle zu holen, die etwa einen Kilometer entfernt oben auf dem Berg lag. Nachdem wir endlich die Kreditkarten-SB-Tankstelle \u00fcberzeugt hatten, ein paar Tropfen Diesel rauszur\u00fccken, trugen zwei etwas abgerissene Gestalten in seltsamer Kleidung Benzinkanister durch die Stadt&#8230;ein Wunder, dass wir nicht von der Polizei angehalten wurden&#8230; ;).<\/p>\n<p>Mit vollen Tanks ging es dann gleich weiter. Inzwischen hatten die ersten Ausl\u00e4ufer des angek\u00fcndigten Tiefs uns erreicht und der Wellengang war genauso unangenehm wir vorher. Immerhin fuhren wir jetzt unter Motor mit Unterst\u00fctzung der Sturmfock, so dass es etwas besser voranging. Dennoch blies uns der Wind mit \u00fcber 20 Knoten, un B\u00f6en sogar 25 Knoten, genau von vorne ins Gesicht. Und auch, als wir endlich die Flensburger F\u00f6rde erreichten, wurde es nicht besser. Nach Aussage meiner Mitsegler hatten sie noch nie einen solchen Wellengang hier erlebt, und bis zum Schluss blies der Wind genau von vorne. Kurz vor Gl\u00fccksburg erwischte uns dann sogar noch ein leichter Schauer, aber dann erreichten wir gegen 14 Uhr endlich unseren Zielort.<\/p>\n<p>Dann ging es nach einem warmen Getr\u00e4nk im \u00f6rtlichen Yachtclub daran, das Boot aufzur\u00e4umen. Nachdem wir von Pit, dem Eigner der Silva Hispaniola, der in Gl\u00fccksburg ein Haus hat, begr\u00fc\u00dft worden waren, wurden alles von Bord gebracht, was nicht niet- und nagelfest war. Segel, Ausr\u00fcstung, nat\u00fcrlich unsere Taschen, usw. Das nahm einige Zeit in Anspruch, und danach nahmen wir alle gerne Pits Angebot an, bei ihm einmal gr\u00fcndlich zu Duschen. Jonas wurde von seiner Freundin abgeholt, der Rest brachte noch -schnell- das Boot an seinen Liegplatz bis zur Felnsburger Woche in drei Wochen. Jeanine und ich konnten leider nicht zum Abendessen bleiben, denn es war schon sp\u00e4t und die Zugverbindung nach Hamburg unter aller Sau.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es tags\u00fcber zumindest die eine oder andere Direktverbindung gibt, mussten wir auch noch umsteigen. Flensburg ist sogar so ein Nest, dass es abends am Bahnhof nicht mal was zu Essen gibt. Nur so zur Anmerkung, ich hatte seit unserer Abfahrt IIRC ein paar Nudeln und ein Nutellabrot gegessen&#8230; Immerhin gab es an unserem Umsteigebahnhof (den Namen hab&#8216; ich vergessen, irgendwas mit N glaube ich) noch einen offenen Shop, so dass wir nicht ganz verhungern mussten.<\/p>\n<p>In Hamburg-Dammtor verlie\u00df ich dann den Zug und betrat endlich Hamburger Boden. Inzwischen war es kurz vor Mitternacht, und so ging ich noch die letzten paar hundert Meter zu meinem Hotel, lie\u00df mir meine Zimmerschl\u00fcssel geben und fiel erst mal ins Bett.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitten auf der Ostsee ist der WLAN-Empfang doch eher schlecht, daher gibt es die vier Tage Ostsee-T\u00f6rn in einem gro\u00dfen Eintrag.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-100","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schweden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.dreier.cloud\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/100","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.dreier.cloud\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.dreier.cloud\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.dreier.cloud\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.dreier.cloud\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=100"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.dreier.cloud\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/100\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.dreier.cloud\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.dreier.cloud\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.dreier.cloud\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}